SoCraTes Day Switzerland 2026, ein Board voller KI und ein Zettel mit dem Wort Nostalgia
Am SoCraTes Day Switzerland im Technopark Zürich stand fast jede Session auf dem Board unter KI. Die interessanteste ging um Cloud-Dienste, die wärmste um DC++, ICQ und das alte Skype.
Am Freitag war ich am SoCraTes Day Switzerland 2026 im Technopark Zürich, einer Eintages-Unconference, organisiert von Coders Only. Kein festes Programm. Am Morgen stellen sich die Leute hin, schreiben ihr Thema auf einen gelben Zettel und kleben ihn in ein Raster aus Räumen und Zeitfenstern. Danach läuft der Tag genau so, wie das Raster aussieht.
Die Räume hiessen Fortran, Newton 1008, Newton 1010 und dazu drei Sitzungszimmer. Neben jedem Raumnamen stand die Kapazität, 60 im grössten, 8 in den kleinsten.
Fast alles auf dem Board war KI
Die erste Session des Tages, im grössten Raum, hiess "We'll all be stupid. The dark side of AI". Danach kamen "Why does my AI forget?", "AI-Skills, what are they?", "Risks with AI Coding", "Factors for Successful AI Coding", "Wise Token Use", "AI Guidelines und Governance in der Firma" und "What do you do with LLMs/AI? + P(Doom)".

Dazwischen hingen ein paar Zettel ohne KI. Self-hosting. Cool Cloud Services. Wie komme ich in Embedded und Elektronik rein. Und ganz unten rechts, im letzten Zeitfenster, klebte einer, auf dem nur ein einziges Wort stand. Nostalgia. Direkt daneben einer über Ensemble Programming von Hand, mit fast keinem Tooling.
Ich sage das ohne Wertung, es war einfach so.
Cool Cloud Services
Für mich war die Cloud-Session die interessanteste des Tages. Das ist der Teil, mit dem ich beruflich jeden Tag zu tun habe. Geführt hat sie jemand anderes, ich habe zugehört und mitgeredet.
Am Ende stand ein Flipchart, sortiert nach AWS, GCP, Azure und Others. Interessant daran sind weniger die Namen als die Vermerke, die immer wieder auftauchen. Cheap. Und CH. Und was es eigentlich macht. Ist es etwas Besonderes und Exklusives oder nicht? Das war ein sehr interessanter Teil.

Bei AWS stand Kubernetes unter uncool, mit einer monatlichen Mindestgebühr daneben. Darunter Lambda, dann Snowmobile und Snowball als physische Geräte, über die Daten nach S3 wandern, und Lightsail als VPS zum Fixpreis. Bei GCP standen GKE im Autopilot-Modus, Pub/Sub mit dem Vermerk stabil und schnell, BigQuery, Firebase und Firestore.
Bei Azure das Storage Account mit Tables, Queues und Blobs als günstige Variante, Azure SQL mit einem Haken und einem CH daneben, Functions mit dem ehrlichen Zusatz has issues, App Service.
Die längste Spalte war Others. Infomaniak mit cheap, managed Kubernetes und CH. Oracle Cloud mit CH. Dazu Vercel, Akamai, Auth0 und Okta, Supabase und Neon als günstige Postgres-Varianten, RunPod, Hostinger, Hetzner und OVH.

Einen guten Teil des restlichen Tages habe ich dann in Gesprächen auf dem Gang verbracht, über AWS, Infomaniak und OpenStack, mit wem auch immer gerade Lust darauf hatte.
Am meisten hängen geblieben ist ein Gespräch mit Marc Dürst von Galaxus. Keine Ahnung mehr, wie viele Sessions ich dafür ausgelassen habe, und es war es wert.

Die Session über Software, die es nicht mehr gibt
Und dann der Zettel mit dem einen Wort. Kein technisches Ziel, keine Folien, nur eine Gruppe Leute, die über Software geredet haben, die es nicht mehr gibt.
DC++. ICQ. Skype in der alten Form. Die ganzen Peer-to-Peer-Programme, mit denen halb meine Generation aufgewachsen ist. Jeder hat erzählt, womit er selbst angefangen hat und wie anders Entwicklung damals aussah.
Ich habe erwähnt, dass eine HTML-Tabelle von Hand zu bauen für mich mal eine Leistung war. Heute baut die kaum noch jemand von Hand, die KI schreibt sie in zwei Sekunden hin.
Wir waren uns ziemlich einig, dass wir die Zeit vermissen, in der alles einfacher war und sich nicht so schnell weiterentwickelt hat. Gleichzeitig ging es viel darum, wie unsere alten Probleme heute einfach mit KI gelöst werden. Dabei kam auch raus, dass die grossen LLM-Anbieter Reverse Engineering an ihren eigenen Modellen und Diensten in den Nutzungsbedingungen ausdrücklich verbieten. Das wusste ich vorher nicht.
Keine Ahnung, ob diese Session irgendetwas produziert hat. Es war die wärmste Session des Tages.
Scaffolding oder Offloading
In einer anderen Session ging es dann um genau die Frage, die in der Nostalgierunde nur mitgeschwungen hat. Was macht dieses Werkzeug mit uns, wenn wir damit lernen.
Auf den Folien lag ein Paper von Liu et al., "Tool, tutor, or crutch?", erschienen im März 2026 im International Journal of STEM Education. Darin sind zwei Schleifen gezeichnet.

In der ersten fragt man die KI nach dem Warum und dem Wie, prüft die Antwort, baut sie um, integriert sie. Am Ende steht Domain Mastery.
In der zweiten delegiert man nur noch. Code generieren lassen, unkritisch übernehmen, weiter. Das Paper nennt das die Illusion eines Dialogs. Auf der Folie endet diese Schleife bei Tool Mastery und Metacognitive Atrophy. Dazwischen überspringt man den productive struggle.
Dazu kam eine Folie mit den desirable difficulties von Bjork und Bjork aus 2011. Spacing schlägt Cramming, Interleaving schlägt Blocking, sich selbst testen schlägt nochmal lesen. Leistung ist nicht dasselbe wie Lernen, und wir bevorzugen oft die Methode, die sich im Moment besser anfühlt und weniger bringt.


Die Zusammenfassung im Talk war ehrlich. LLMs können Lernen unterstützen und verhindern, und für die Frage, wie man richtig mit ihnen umgeht, gibt es bisher keine genauen Antworten.
In einer anderen Session lag Peter Naurs Aufsatz "Programming as Theory Building" von 1985 auf der Leinwand. Programmieren ist darin Theoriebildung im Kopf der Entwickler, das Programm nur das Nebenprodukt davon.

Mittagessen
Das Mittagessen ging auf die Organisatoren, ein grüner Gutschein für die Kantine im Technopark. Reis, Gyoza, Curry, eine Dose meine libeling El Tony Mate dazu.

Das T-Shirt
Ich bin im easylearn-T-Shirt hingegangen, mit einem Namensschild, auf dem nur "Dmytro" stand. Noch bevor ich mich vorgestellt hatte, fragte mich jemand, was easylearn eigentlich macht.

Dazu kam ein kleines Papierfähnchen mit dem easylearn-Logo, das ich für Fotos an verschiedenen Ecken des Gebäudes aufgestellt habe. Wo genau der Scherz aufhört und echtes Marketing anfängt, weiss ich selbst nicht mehr.
Wer auch dort war und den Tag anders in Erinnerung hat, schreib mir.
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